Ist Low-Code bereits Vergangenheit?
Ein Milliarden-Dollar-Markt. Und gerade wird er von hinten überholt.
Rund 85% aller Entwickler nutzen laut Stack Overflow bereits KI-Coding-Agenten. Allen voran Claude Code und Codex. Die schreiben nicht nur Zeilen fertig, die verstehen ganze Repositories, ändern dutzende Files gleichzeitig, testen ihren eigenen Output, schreiben Dokumentation. Das ist kein Autocomplete mehr. Das ist ein anderer Entwickler am Tisch.
Und jetzt die Frage, die sich die Low-Code-Plattformen noch nicht laut stellen: Wozu "Drag-and-Drop"-Entwicklung, wenn die KI echten Code schreibt, der besser ist?
Es geht aber nicht nur um Geschwindigkeit. Es geht um Architekturfreiheit. Wer Low-Code nutzt, braucht proprietäre Produkte, Lizenzen, Runtimes. Wer Agentic Coding nutzt, sagt beispielsweise: TypeScript, Postgres, Docker plus das eigene Engineering-Betriebsmodell. Die IT bestimmt den Stack. Kein Vendor Lock-in. Keine Abhängigkeit von einer Plattform, die morgen ihr Preismodell ändert.
Und dann ist da Spec Driven Development. Du schreibst die Spezifikation, die KI baut. Du änderst die Spezi, die KI baut neu. Automatisch getestet, automatisch dokumentiert. Adaptierbarkeit in Stunden statt Tagen. Bei Low-Code änderst du Masken. Bei Agentic Coding änderst du die Anforderung und der gesamte Stack zieht mit.
No-Code auf Basis visueller Editoren und Baukasten-Logik verliert. Vielleicht bleibt eine Nische im UI-getriebenen Prototyping. Einige Anbieter haben daher den Drag-and-Drop-Ansatz aufgegeben und setzen auf Prompting und natürliche Sprache als Interface. Das ist kein Zufall. Das ist die stille Kapitulation vor Agentic Coding.
Und die Low-Code-Boutiquen, die uns noch vor kurzem LCNC als Heilsbringer verkauft haben? Die machen jetzt auf KI Coding Experten. Neue Slide Decks, selbe Berater, anderes Buzzword. Wer gestern "Drag-and-Drop-Workshops" gegeben hat, gibt heute Prompt-Engineering-Seminare für Coding Agents. Die Geschwindigkeit der Neuerfindung ist beeindruckend ;-)
Aber: Low-Code stirbt nicht. Es häutet sich.
Was bleibt, ist Orchestrierung. Workflows, die Brücke zwischen Fachbereich und IT, gemeinsames Prototyping. Tools wie n8n zeigen, wo die Nische liegt: schnelle Integrationen, kleine Workflows, RAG-Anwendungen in wenigen Stunden, visuelle Entwicklung als Gesprächsgrundlage von Business und IT. Das können Coding Agents noch nicht so elegant.
Für Entscheider heißt das: Die Low-Code-Plattform selbst wird ersetzbar. Die Orchestrierung dahinter nicht. Wer heute lizenziert, sollte wissen, wofür er eigentlich zahlt.
